Der Erlkönig

22. September 07 um 24 Uhr – Dauer 15 Minuten
Christoph Bochdansky

Der Erlkönig
So dunkel schön, so grusel schön, aber mein lieber Zustand ist es nicht.

Wer reitet so spät…………Goethes Erlkönig, gesprochen von Alexander Moissi, eine alte Aufnahme mit viel knistern, wie ein ferner Klang, wie ein ferner Atem.

Siehst Vater du…………ein ferner Atem, als könnte man mit dem bloßen aus- und einatmen diesen Text verstehen. Wieso auch nicht, geht es doch um leben und Tod, ganz wie beim atmen.

Sei ruhig, bleibe ruhig…………die Puppen, in ihrem schwarzen Nest, sie folgen diesem ein- und ausatmen, als würde es alles bedeuten,

Es scheinen die alten Weiden so grau…………als wüssten sie alles und ziehe vorüber.

Ich liebe dich, mich reizt…………ist nun alles mystisch und gruselig genug?

Spiel und Idee: Christoph Bochdansky

Tontechnik: Hans Zinkl

Komposition und Gitarre: Michael Bruckner

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Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. –

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

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